Aktuelle Neuigkeiten

Fäden, die miteinander verbinden

Mrz 27, 2017

Johanna Taravaky kann Ihnen bestätigen, dass ihre handbetriebene, schwarz und goldfarben lackierte Nähmaschine von Singer auch wirklich singt.
Johanna Taravaky kann Ihnen bestätigen, dass ihre handbetriebene, schwarz und goldfarben lackierte Nähmaschine von Singer auch wirklich singt.

Im Außenbereich der Beach Bar von Mele Bay sind mehrere Holztische zusammengeschoben worden, an denen insgesamt acht Gäste Platz genommen haben. Sieben Personen kommen aus Neuseeland und eine Person aus den Vereinigten Staaten. Auf der einen Seite des Tisches nehmen vier Frauen Platz. Auf der anderen Seite sitzen drei Männer und eine Frau. Im Gegensatz zu den umherspazierenden sandigen Sonnenanbetern hat sich diese Gruppe in der Bar von Vanuatu getroffen, um geschäftliche Dinge zu besprechen. Die Männer gehören zur Rotary-Organisation Neuseelands. Während ihres Besuchs in Vanuatu haben sie von dem Projekt Threads Across the Pacific gehört, einem Nähprojekt von Kiwanis, das ebenso wie sie seinen Ursprung in Neuseeland hat. Einer der Männer, ein Journalist, ist angereist, um mit Caroline Mason, einem Kiwanis-Mitglied aus Neuseeland, die das Projekt Threads Across the Pacific leitet, ein Interview zu führen. Während sich die beiden über das Projekt unterhalten, stecken die Frauen auf der anderen Seite des Tisches ihre Köpfe zusammen. Es geht um wichtige Dinge, spannende Aussichten. Bei Chips und Pizza beginnt eine rege Unterhaltung. 

„Wenn die Breite 700 sein soll, dann müssen es auch 700 sein.“

„Ja, das wird es auch. Und ein Kordelzug muss eingearbeitet sein.“

„Vielleicht kann Janet diesen Job übernehmen. Es würde ihr viel bedeuten.“

„Jeder druckt sein eigenes Hotel-Logo auf die Tasche, richtig?“

Das Gespräch setzt sich fort, alle sprechen sehr schnell und über die anderen hinweg.

„Es wäre schön, wenn sie diesen Auftrag bekommen würde.“

„Das wäre echt toll.“

Der tropische Zyklon Pam, der eine Geschwindigkeit von 280 Kilometern pro Stunde erreichte, war eine der schlimmsten Naturkatastrophen, die der südpazifische Inselstaat Vanuatu jemals gesehen hat. Caroline Mason sah die Verwüstung mit eigenen Augen, als sie 750 Patchwork-Decken, die ihre Freunde in Neuseeland angefertigt hatten, nach Vanuatu lieferte. Sie sah jedoch noch viele andere Dinge: „Eine Frau lud mich in ihre kleine Behausung ein und zeigte mir, wie das salzige, schlammige Wasser des Flusses durch ihr Haus gedrungen war und ihre handbetriebene Nähmaschine zerstört hatte“, sagt Mason. Nach meiner Rückkehr konnte ich das Bild der verschlammten, rostigen Maschine einfach nicht mehr vergessen.“ Sie begann darüber nachzudenken, was sie noch tun könnte.

Es stellte sich heraus, dass noch viel getan werden konnte.

Als Caroline hörte, dass die Kiwanier Neuseelands schon seit mehr als 20 Jahren Container mit Materialien – von Schulbüchern bis hin zu Einrichtungsgegenständen für die Schule – nach Vanuatu schickten, fasste sie den Entschluss, sich ebenfalls zu beteiligen. Im Januar 2016 trat sie dem Kiwanis Club Matamata, Neuseeland, bei. In den Containern, die nach Vanuatu, 3.200 Kilometer entfernt über das Meer, geschickt werden, befinden sich jetzt Materialien für das Nähprojekt Threads Across the Pacific.

„Die Großzügigkeit der Kiwanis-Mitglieder Neuseelands ist einzigartig. Unser Threads-Projekt bekommt so viel Platz in den Containern zugewiesen, wie wir brauchen“, sagt sie. „Auch der Kiwanis-Club Port Vila (Vanuatu) steht uns bei diesem Unterfangen hilfreich zur Seite. Der Club kümmert sich um die Hafen- und Zollabfertigung und lagert die Maschinen und Kartons, bis wir anreisen, um unsere Workshops durchzuführen.“

Freunde in Neuseeland opfern zahllose Stunden, um die angelieferten Materialien zu sortieren, zu stapeln und zur Verfrachtung nach Vanuatu zu verpacken. Sobald die Fracht in Vanuatu angekommen ist, versammelt sich eine tatkräftige neuseeländische Expat-Gemeinde um sie herum, die die Materialien entgegennimmt. Die Helfer kümmern sich ums Auspacken, Sortieren und Stapeln der Materialien. Ein derart großes Projekt kann nur erfolgreich sein, wenn ausreichend Unterstützung geboten wird.

Caroline und einige Freunde aus ihrer Nähgruppe, Kay Gray, Alison Leslie und Jeanne Brown, schlängeln sich durch die Reihen von Frauen, die an Schultischen in einem nagelneuen Schulgebäude in Mele Bay sitzen. Diese Frauen sind hier, um Nähen zu lernen. Das wird deutlich, als Alison um die Aufmerksamkeit aller bittet.

„Ich weiß, dass ihr gerade an euren Schildkröten arbeitet. Ich möchte jedoch gerne, dass ihr euch um mich herum versammelt, um einen Moment mit mir über Shorts zu reden“, sagt sie. 

Die Frauen kommen sofort zusammen, um Anleitungen zu erhalten. Alison hält sich die Papiervorlage an ihre Hüften, um zu erklären, wie daraus ein Paar Shorts genäht werden. Janet Kaltovei ist eine der Frauen in dieser Gruppe für Fortgeschrittene. Es ist genau diejenige Janet, über die die Kiwi-Kursleiter früher am Tag, während des Mittagessens, gesprochen haben. Caroline und die anderen Kursleiter haben Janet dazu ausgewählt, eine wichtige Aufgabe zu übernehmen.

„Unsere Kurse zielen hauptsächlich darauf ab, den Frauen und Schulmädchen Vanuatus den Umgang mit elektrischen Nähmaschinen und das Nähen beizubringen. Somit können sie Kleidungsstücke für sich und ihre Familien nähen oder die genähten Produkte an Dorfbewohner oder Besucher verkaufen, die per Kreuzfahrtschiff zur Insel kommen“, sagt Caroline. „Zusätzlich möchten wir Frauen identifizieren, die noch einen Schritt weiter gehen möchten und Interesse daran haben, anderen Frauen und Mädchen Nähunterricht zu erteilen.“

Sehen Sie, wie Ni-Van-Schülerinnen bei einer Modeschau am Strand ihr Können unter Beweis stellen.
Sehen Sie, wie Ni-Van-Schülerinnen bei einer Modeschau am Strand ihr Können unter Beweis stellen. 
Janet wird eine dieser Frauen sein.
 
Johanna Taravaky hat womöglich die schönste Nähmaschine im ganzen Raum. Sie ist eine der wenigen Frauen im Kurs, die ihre eigene Nähmaschine besitzen. Das gute Stück ist eine handbetriebene, schwarz und goldfarben lackierte Singer, die einen erkennbaren Klang hat. Johanna lacht und fordert die anderen Frauen dazu auf, zuzuhören. Sie ist davon überzeugt, dass ihre Maschine singt. Ihre Nähmaschine ist eine von insgesamt zwei handbetriebenen Geräten. Alle anderen Nähmaschinen sind neuer und elektronisch und stammen aus Neuseeland. (Caroline sagt, dass von jetzt an nur noch neue Maschinen benutzt werden sollen, damit die Kursleiter ihre Zeit nicht damit vergeuden müssen, alte Maschinen zu reparieren. Sie offenbart eine Überraschung: Nach dem Nähkurs darf jede Frau ihre Nähmaschine mit nach Hause nehmen.)

Johanna ist sehr geschickt beim Nähen. Sie hat eine leise, angenehme Stimme und ist nicht ganz so schüchtern wie viele der anderen Frauen um sie herum. Sie ist zur Sprecherin der Gruppe geworden.

„Ich spreche für viele von uns. Wir sind sehr glücklich“, sagt sie. „Ich finde dieses Programm sehr gut. Es ist das erste Mal in unserem Leben, dass Leute von außerhalb gekommen sind, um bei uns einen Workshop durchzuführen. Die Mütter und Dorfbewohner sind sehr glücklich. Wir werden Artikel für die Touristen nähen. Wir werden alle gemeinsam arbeiten. Ich bin sehr stolz und glücklich.“

Lina Willie und Susan Taravaki sitzen nebeneinander und helfen den anderen Frauen oft, wenn es Probleme mit dem Faden oder beim Einfädeln gibt oder um die Maße noch einmal zu überprüfen.

Es ist leicht zu erkennen, welche der Frauen Freude daran haben, eine leitende Position zu übernehmen und anderen zu helfen. Diese Aufgabe macht genauso viel Spaß wie die Fertigstellung eines schönen Kleides oder einer Tasche. Lina und Susan stehen jederzeit hilfsbereit zur Verfügung.

„Ich habe schon vorher viel genäht. Aber die Qualität meiner Arbeit hat sich stark verbessert, als ich an diesem Kurs teilgenommen habe“, sagt Lina. „Ich freue mich darauf, meine genähten Stücke zu verkaufen und somit etwas Geld zu verdienen. Ich habe so viel gelernt.“

Susan ist sehr stolz auf die Artikel, die sie in dieser Woche fertiggestellt hat. „Ich bin glücklich“, sagt sie. „Ich habe vorher schon mal etwas genäht: ein Inselkleid. Vielleicht nähe ich jetzt andere Kleider. Ich finde, es ist wichtig, dass Frauen Fähigkeiten wie diese erwerben. Ich bin unabhängiger und kann meiner Familie helfen. Ich möchte mich für die Kenntnisse und Fertigkeiten, die uns gelehrt wurden, bedanken. Ich bin gesegnet.“

Janet Kaltovei nahm im Jahr 2015 zum ersten Mal am „Threads Across the Pacific“-Workshop teil. Jetzt ist sie selbst Kursleiterin und es ist ihre Aufgabe, das Erlernte auch anderen Ni-Van-Frauen beizubringen. Janet hat im Workshop für große Aufregung gesorgt. Ein Vertreter eines neuen Resorts hatte bei Janet nachgefragt, ob sie einfache Wäschebeutel für das Resort anfertigen könnte. Aus dieser Anfrage könnte sich ein richtiger Job, ein gutes Einkommen, ergeben. Während sich die Kursleiter im Zimmer umherbewegen, kommt das Gespräch immer wieder auf Janets potentiellen Auftrag. Jeden Moment kann der Anruf kommen. Dann wird sie erfahren, ob sie den Job bekommen hat oder nicht.

„Janet ist eine fleißige Arbeiterin“, sagt Alison. „Sie hat an unserem ersten Workshop teilgenommen und ist im Nähen sehr bewandert. Sie leistet ausgezeichnete Arbeit. Sie lernt gerne und freut sich immer darauf, neue Schnittvorlagen auszuprobieren. Sie kann es kaum abwarten, bis sie neue Vorlagen und Muster bekommt.“

Ein Tag vergeht. Jeder im Dorf freut sich über den „Threads Across the Pacific“-Workshop. Auch in der Beach Bar erkundigt man sich täglich: „Wie geht es den Damen und Müttern?“ Es hat sich herumgesprochen, dass es zum Abschluss des Workshops eine Modeschau geben soll. Jeder will wissen, wann und wo die Modeschau stattfindet.

Janet sitzt etwas abgesondert im Klassenzimmer und näht. Viele Frauen sind neugierig und wollen wissen, ob sie schon etwas erfahren hat. 

„Die gute Nachricht ist, dass ich heute eine Zusage für den Auftrag erhalten habe“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht.

Sie scheint erleichtert zu sein, nachdem sie die Frage beantwortet hat. „Ich bin so froh, dass ich den Auftrag bekommen habe. Ich bin dankbar, dass ich Alison vor einem Jahr kennengelernt habe, die vieles mit mir geteilt hat. Sie steht auch jetzt wieder an meiner Seite. Sie hat mir Projekte und Vorlagen bereitgestellt, an denen ich arbeiten kann und die ich mit den anderen Frauen teilen kann. Caroline ist jetzt dabei, andere Kursleiter zu organisieren, und ich werde diejenige sein, die diese Personen anlernen wird. Ich werde andere Frauen bei mir zu Hause unterrichten. Ich freue mich, dass ich helfen kann.“

Caroline steht im Hintergrund und hilft ihren Schülern. Sie spricht ihnen ermutigend zu. 

„Sehr schön! Das hast du gut gemacht! Gerade Stiche, gerade Naht. Hier geht’s los …“

Geschichte und Bilder von Kasey Jackson


Comment

  1. RadEditor - HTML WYSIWYG Editor. MS Word-like content editing experience thanks to a rich set of formatting tools, dropdowns, dialogs, system modules and built-in spell-check.
    RadEditor's components - toolbar, content area, modes and modules
       
    Toolbar's wrapper 
     
    Content area wrapper
    RadEditor's bottom area: Design, Html and Preview modes, Statistics module and resize handle.
    It contains RadEditor's Modes/views (HTML, Design and Preview), Statistics and Resizer
    Editor Mode buttonsStatistics moduleEditor resizer
      
    RadEditor's Modules - special tools used to provide extra information such as Tag Inspector, Real Time HTML Viewer, Tag Properties and other.
       
blog comments powered by Disqus